Cybersecurity
So schützen Sie sich vor Phishing und Social Engineering
Betrüger geben sich per E-Mail, SMS oder am Telefon als Bank, Zahlungsdienstleister, Paketdienst oder Behörde aus – oder als Kundendienst bekannter Firmen wie Microsoft, Amazon oder PayPal. Sie wollen, dass Sie Passwörter, Bestätigungscodes oder die Wiederherstellungswörter Ihrer Krypto-Geldbörse verraten, Fremden Zugriff auf Ihren Computer geben oder selbst Geld überweisen. Mit ein paar einfachen Regeln erkennen Sie die meisten dieser Betrugsversuche sofort.
Das Wichtigste in Kürze
- Klicken Sie nicht auf Links in E-Mails oder SMS, die Sie nicht erwartet haben. Öffnen Sie stattdessen die offizielle App oder suchen Sie die Webseite selbst, zum Beispiel über Google.
- Geben Sie Bestätigungscodes niemals weiter – egal, ob Sie sie per SMS, E-Mail oder in einer App erhalten haben. Dasselbe gilt für Passwörter, PINs und die Wiederherstellungswörter Ihrer Krypto-Geldbörse.
- Installieren Sie keine Fernwartungs-Programme wie TeamViewer oder AnyDesk, nur weil ein Anrufer Sie darum bittet. Damit kann ein Fremder Ihren Computer steuern.
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Seriöse Unternehmen geben Ihnen immer Zeit zum Nachdenken.
- Im Zweifel: auflegen und selbst anrufen – über eine Nummer, die Sie selbst herausgesucht haben, nie über eine Nummer aus der verdächtigen Nachricht.
Inhalt
- Phishing und Social Engineering
- Phishing-E-Mails erkennen
- Gefälschte Webseiten erkennen
- Betrug per SMS und Messenger
- Betrug am Telefon
- Bestätigungscodes
- Krypto-Wiederherstellungswörter
- Die wichtigsten Verhaltenstipps
- So kontaktiert Ihre Bank Sie
- Notbremse: sofort abbrechen
- Was tun, wenn es passiert ist?
- Forensische Untersuchung
Was ist Phishing und Social Engineering?
Früher dachte man bei Internetbetrug vor allem an Technik: an Computerviren und an Hacker, die sich heimlich in fremde Geräte schleichen. Heute sind Computer und Smartphones durch automatische Aktualisierungen und eingebaute Schutzfunktionen deutlich besser abgesichert. Deshalb setzen Kriminelle zunehmend auf den Menschen statt auf die Technik. Genau das ist Social Engineering, auf Deutsch etwa „Manipulation von Menschen“: Jemand erzählt Ihnen eine glaubwürdige Geschichte, damit Sie etwas tun, was Sie sonst nie tun würden – einen Code verraten, ein Programm installieren oder Geld überweisen. Die Täter knacken also nicht den Computer, sondern bringen Sie dazu, ihnen freiwillig die Tür zu öffnen. Dabei nutzen sie ganz normale menschliche Eigenschaften aus: Hilfsbereitschaft, Vertrauen in Autoritäten, Angst, Neugier oder Zeitdruck. Phishing (von englisch „fishing“, also „angeln“) ist die bekannteste Form davon: Mit gefälschten Nachrichten „angeln“ Kriminelle nach Ihren Zugangsdaten.Phishing-E-Mails erkennen
Schritt 1: Prüfen Sie die echte Absender-Adresse
Ihr E-Mail-Programm zeigt oft nur einen Namen wie „Musterbank Kundenservice“ an. Diesen Namen kann jeder frei wählen. Entscheidend ist die E-Mail-Adresse dahinter – und dort vor allem der Teil nach dem @-Zeichen. Er verrät, von welcher Firma die Mail wirklich kommt. So sehen Sie die echte Adresse: Am Computer klicken Sie auf den Namen des Absenders oder fahren mit der Maus darüber. Am Smartphone tippen Sie auf den Namen.Fahren Sie mit der Maus über ein Beispiel (am Smartphone: antippen), um den entscheidenden Teil der Adresse hervorzuheben.
service@musterbank.at>Nach dem @ steht genau die bekannte Adresse der Bank.info@musterbank-sicherheit.info>Klingt offiziell, gehört aber jemand ganz anderem.service@musterbank.at.kunden-mail.com>Entscheidend ist das Ende der Adresse: Die Mail kommt von „kunden-mail.com“.musterbank.support@gmail.com>Banken und Zahlungsdienstleister schreiben nie von kostenlosen Mail-Diensten wie Gmail, GMX oder Outlook.com.service@rnusterbank.at>Genau hinsehen: „rn“ statt „m“. Auch vertauschte Buchstaben, eine Null statt „o“ oder ein zusätzlicher Bindestrich sind beliebte Tricks.Schritt 2: Achten Sie auf verräterische Formulierungen
Phishing-Mails folgen fast immer demselben Muster: Sie lösen ein starkes Gefühl aus und drängen Sie dann zu einer schnellen Handlung. Achten Sie besonders auf:- Zeitdruck: „innerhalb von 24 Stunden“, „letzte Erinnerung“, „sofort handeln“. Echte Unternehmen setzen Ihnen keine Fristen von wenigen Stunden.
- Drohungen: „Ihr Konto wird gesperrt“, „rechtliche Schritte“, „Ihre Karte wurde eingeschränkt“.
- Verlockungen: Gewinne, Rückerstattungen, Steuer-Rückzahlungen, Gratis-Geschenke oder „exklusive“ Krypto-Angebote.
- Aufforderung, Daten einzugeben: „Bestätigen Sie Ihre Identität“, „Aktualisieren Sie Ihre Daten“, „Überprüfen Sie Ihr Konto“. Seriöse Anbieter fragen vertrauliche Daten nie per Mail ab.
- Unpersönliche Anrede: „Sehr geehrter Kunde“ statt Ihres Namens. Aber Achtung: Betrüger kennen manchmal Ihren Namen aus gestohlenen Kundendaten. Eine persönliche Anrede beweist also nichts.
- Unerwartete Anhänge: zum Beispiel gepackte Dateien (.zip), Webseiten-Dateien (.html) oder Word- und Excel-Dateien, die Sie auffordern, „Inhalte zu aktivieren“. Öffnen Sie keine Anhänge, die Sie nicht erwartet haben.
- QR-Codes in Mails oder Briefen, die zu einer Anmeldeseite führen sollen. Auch hier gilt: Adresse prüfen, bevor Sie etwas eingeben.
- Sprache und Gestaltung: Rechtschreibfehler, holprige Übersetzungen oder unscharfe Logos. Aber Vorsicht: Mit Hilfe künstlicher Intelligenz sind viele Phishing-Mails heute fehlerfrei. Eine perfekt geschriebene Mail ist nicht automatisch echt.
- Etwas passt nicht: Sie haben gar kein Paket bestellt, sind nicht Kunde dieser Bank oder haben nie an einem Gewinnspiel teilgenommen.
Beispiel: So sieht eine typische Phishing-Mail aus
- 1Falsche Absender-Adresse: Die Mail kommt von „musterbank-sicherheitscenter.com“, nicht von „musterbank.at“.
- 2Alarmierender Betreff: Großbuchstaben, Warnsymbol und Drohung sollen Sie in Panik versetzen.
- 3Unpersönliche Anrede: Ihre Bank kennt Ihren Namen.
- 4Zeitdruck und Drohung: Sie sollen handeln, bevor Sie nachdenken.
- 5Gefälschter Link: Der Link führt in Wahrheit zu „verify-login.net“. Wie Sie das erkennen, erklären wir im nächsten Abschnitt.
- 6Abfrage vertraulicher Daten: Keine seriöse Bank fragt per Mail nach Zugangsdaten, Kartennummer oder Bestätigungscodes.
Gefälschte Webseiten an der Internetadresse erkennen
Phishing-Seiten sehen oft täuschend echt aus: Logo, Farben und Anmeldemaske sind perfekt kopiert. Was Betrüger dagegen kaum fälschen können, ist die Internetadresse in der Adresszeile ganz oben in Ihrem Browser, also dem Programm, mit dem Sie im Internet surfen. Deshalb lohnt es sich, eine Internetadresse lesen zu können.So ist eine Internetadresse aufgebaut
https://login.musterbank.at/konto/uebersicht?sprache=de
https://Anfanglogin.Vorsatzmusterbank.atHauptadresse – nur sie zählt!/konto/uebersichtUnterseite?sprache=deZusatzangaben- Hauptadresse (Fachbegriff „Domain“): der Name direkt vor der Endung (.at, .de, .com …) zusammen mit dieser Endung. Jede Hauptadresse gehört genau einem Inhaber. Sie zeigt also, wem die Seite wirklich gehört.
- Vorsatz (Fachbegriff „Subdomain“): alles, was links vor der Hauptadresse steht, zum Beispiel „www.“ oder „login.“. Der Inhaber der Hauptadresse kann hier beliebige Wörter einsetzen.
- Unterseite: alles nach dem ersten einzelnen Schrägstrich „/“. Auch hier kann beliebiger Text stehen.
- Zusatzangaben: alles nach einem Fragezeichen „?“ oder einer Raute „#“. Ebenfalls frei wählbar.
In 3 Schritten zur echten Hauptadresse (Domain)
- Anfang finden: Lesen Sie ab dem Teil nach „https://“ bzw. „http://“.
- Ende finden: Suchen Sie den ersten einzelnen Schrägstrich „/“ (oder ein „?“ bzw. „#“, falls dieses früher kommt). Alles ab dort ignorieren Sie – egal, was dort steht, auch wenn es „musterbank.at“ ist.
- Von rechts lesen: Im verbleibenden Teil lesen Sie von rechts nach links: zuerst die Endung (z. B. „.at“), dann das Wort direkt davor. Beides zusammen ist die echte Hauptadresse (Domain). Alles weiter links ist nur ein Vorsatz.
Vorsicht bei zweiteiligen Endungen
Bei manchen Ländern besteht die Endung aus zwei Teilen, zum Beispiel „.gv.at“ oder „.co.at“ in Österreich, „.co.uk“ in Großbritannien. Dann gehört das Wort direkt davor mit zur Hauptadresse (Domain). Genau das nutzen Betrüger für Phishing-Seiten aus – solche Adressen wurden bereits für echte Angriffe verwendet. Beimusterbank.com.am liest man schnell „musterbank.com“. Tatsächlich endet die Adresse aber auf „.com.am“ und hat mit der Musterbank nichts zu tun, sondern führt zu einer Webseite aus Armenien. Ebenso kann im Prinzip jeder Adressen wie musterbank.co.at oder musterbank.co.uk registrieren. Merken Sie sich deshalb die echte Adresse Ihrer Bank genau: Jede Abweichung, auch nur ein zusätzliches „.co“ oder „.com“, ist ein Warnsignal.
Beispiele: Echt oder Fälschung?
Fahren Sie mit der Maus über eine Adresse (am Smartphone: antippen), um die echte Hauptadresse farbig hervorzuheben.
| Adresse | Ergebnis | Warum? |
|---|---|---|
https://www.musterbank.at/login |
✓ Echt | Die Hauptadresse ist musterbank.at. |
https://online.banking.musterbank.at/konto?id=7 |
✓ Echt | Langer Vorsatz, aber die Hauptadresse stimmt. |
https://musterbank.at.konto-sicherheit.com/login |
✗ Fälschung | „musterbank.at“ ist hier nur ein Vorsatz vor konto-sicherheit.com. |
https://sicher.login-check.net/musterbank.at/anmelden |
✗ Fälschung | „musterbank.at“ steht nur in der Unterseite. |
https://kontoservice.xyz/?ziel=https://www.musterbank.at |
✗ Fälschung | Die echte Adresse steht nur in den Zusatzangaben. |
https://musterbank-sicherheit.at/ |
✗ Fälschung | Ähnlicher Name, aber eine ganz andere Hauptadresse. |
https://musterbank.at-login.com/ |
✗ Fälschung | Die Endung ist .com, die Hauptadresse also at-login.com. |
https://www.musterbank.com.am/login |
✗ Fälschung | Wirkt wie musterbank.com, endet aber auf .com.am (Armenien). |
https://musterbank.at.com.am/konto |
✗ Fälschung | Beginnt scheinbar mit „musterbank.at“. Die Endung ist aber .com.am, die Hauptadresse also at.com.am. |
https://www.rnusterbank.at/ |
✗ Fälschung | „rn“ statt „m“ – auf den ersten Blick kaum zu erkennen. |
https://www.musterbank.at@anmeldung-24.ru/ |
✗ Fälschung | Alles vor dem @ wird ignoriert. Die Seite liegt auf anmeldung-24.ru. |
https://www.musterbаnk.at/login |
✗ Fälschung | Sieht exakt richtig aus. Das „а“ stammt aber aus dem kyrillischen Alphabet, das zum Beispiel im Russischen verwendet wird. Für den Computer ist das eine völlig andere Adresse. |
Selbst eine perfekt aussehende Adresse kann gefälscht sein
Das letzte Beispiel zeigt: In Extremfällen sieht eine gefälschte Adresse für das menschliche Auge exakt richtig aus. Viele Browser zeigen solche Adressen zwar in einer auffälligen Form an (hier etwa „xn--musterbnk-6yh.at“), in E-Mails und SMS fällt der Trick aber oft nicht auf. Außerdem kann der sichtbare Text eines Links etwas ganz anderes anzeigen als das Ziel, zu dem er tatsächlich führt. Die sicherste Regel lautet deshalb: Klicken Sie nur auf Links, die Sie gerade erwarten, weil Sie selbst etwas ausgelöst haben – zum Beispiel auf die Bestätigungs-Mail, nachdem Sie in Ihrem Kundenkonto Ihre E-Mail-Adresse geändert oder ein neues Passwort angefordert haben. Bei allen anderen Nachrichten öffnen Sie die App oder suchen die Webseite selbst.Das Schloss-Symbol bedeutet nicht „sicher“
Das kleine Schloss neben der Adresse bzw. „https“ zeigt nur, dass die Verbindung verschlüsselt ist – nicht, wer am anderen Ende sitzt. Fast alle Phishing-Seiten haben heute ebenfalls ein Schloss.Links prüfen, bevor Sie klicken
- Am Computer: Fahren Sie mit der Maus über den Link, ohne zu klicken. Die tatsächliche Zieladresse erscheint meist unten links im Fenster.
- Am Smartphone: Drücken Sie lange auf den Link (nicht kurz tippen). Es öffnet sich eine Vorschau mit der Adresse.
- Gekürzte Links (z. B. „bit.ly/…“) verbergen das Ziel. In Nachrichten von Banken oder Zahlungsdiensten sind sie ein Warnsignal.
- Am sichersten: Gar nicht auf den Link klicken. Öffnen Sie stattdessen die offizielle App, verwenden Sie ein gespeichertes Lesezeichen oder suchen Sie die Webseite selbst über Google oder eine andere Suchmaschine. Achten Sie dabei auf bezahlte Anzeigen ganz oben in den Suchergebnissen („Gesponsert“) – auch dort tauchen manchmal Fälschungen auf. Prüfen Sie deshalb auch hier die Hauptadresse.
Testen Sie sich selbst
Wohin führen diese Adressen wirklich? Klicken Sie auf eine Adresse, um die Auflösung zu sehen.https://hilfe.musterbank.at/kontakt?thema=karte-sperren
https://www.musterbank.at.kundencenter-online.net/login
https://secure-verify.com/musterbank.at/?user=sicher
Betrug per SMS und Messenger erkennen
SMS und Nachrichten in Messengern wie WhatsApp wirken persönlicher und werden oft unterwegs schnell gelesen – genau darauf setzen Betrüger. Typische Beispiele:- Ein bekannter Absendername ist kein Beweis. Seit Oktober 2026 dürfen in Österreich nur noch registrierte Absendernamen wie „Musterbank“ zugestellt werden – das hat gefälschte SMS deutlich seltener gemacht. Betrüger weichen aber aus: auf normale Handynummern, auf Nachrichten über iMessage oder WhatsApp oder auf gefälschte Funkmasten, mit denen sie jeden beliebigen Absender anzeigen können. Solche Geräte wurden 2026 auch in Wien eingesetzt. Klicken Sie deshalb auch bei einem vertrauten Absender nicht auf Links, sondern öffnen Sie die App oder suchen Sie die Webseite selbst.
- Kleine Beträge sind ein Köder: Wer 1,99 € „Gebühr“ zahlt, gibt dabei seine vollständigen Kartendaten preis.
- „Hallo Mama/Papa“-Nachrichten: Rufen Sie Ihr Kind unter der alten, bekannten Nummer an oder stellen Sie eine Frage, die nur es beantworten kann. Überweisen Sie nie Geld, bevor Sie persönlich gesprochen haben.
- Banken und Zahlungsdienstleister schicken keine Links, über die Sie sich anmelden oder Ihre App „aktualisieren“ sollen. Neue App-Versionen kommen ausschließlich über den offiziellen App Store bzw. Google Play.
Betrug am Telefon erkennen
Am Telefon ist der Druck besonders groß, weil Sie sofort reagieren müssen. Häufige Maschen sind:- Falsche Bankmitarbeiter: „Wir haben verdächtige Abbuchungen festgestellt. Um sie zu stoppen, nennen Sie mir bitte den Code, den Sie gleich per SMS bekommen.“ In Wahrheit geben Sie mit diesem Code eine Zahlung an die Betrüger frei.
- Falscher PayPal-Kundenservice: „Über Ihr PayPal-Konto wurde gerade eine Zahlung von 499 € veranlasst. Wenn Sie das nicht waren, stornieren wir sie gemeinsam.“ Danach sollen Sie sich anmelden, einen Code nennen oder eine Freigabe bestätigen.
- Falscher Amazon-Kundendienst: Oft beginnt es mit einer Bandansage: „Auf Ihrem Amazon-Konto wurde ein iPhone für 1.299 € bestellt. Drücken Sie die 1, um die Bestellung zu stornieren.“ Der angebliche Mitarbeiter verlangt dann Zugangsdaten, Kartendaten oder Zugriff auf Ihren Computer.
- Falsche Polizei oder Behörden: „Ihr Geld ist bei der Bank nicht mehr sicher, überweisen Sie es auf ein Sicherheitskonto.“ Oder ein Schockanruf: „Ihre Tochter hatte einen Unfall, wir brauchen sofort eine Kaution.“ Derzeit rufen auch angebliche Mitarbeiter des Finanzamts wegen erfundener Nachzahlungen an.
- Falscher Krypto-Support: „Ihre digitale Geldbörse wurde gehackt. Damit wir Ihr Guthaben retten können, brauchen wir Ihre 24 Wörter“ oder „… überweisen Sie alles auf diese sichere Adresse.“
Achtung: falscher Microsoft-Support
- Der Anruf: Oft auf Englisch oder in gebrochenem Deutsch: „Ich rufe von Microsoft an. Ihr Computer sendet uns Fehlermeldungen und wurde gehackt.“
- Das Warnfenster: Beim Surfen erscheint plötzlich eine bildschirmfüllende Warnung, oft mit Alarmton: „Ihr Computer wurde gesperrt. Rufen Sie sofort den Microsoft-Support an.“ Echte Warnungen von Windows enthalten niemals eine Telefonnummer. Rufen Sie diese Nummer nie an und klicken Sie nichts in dem Fenster an.
- Das Ziel: Sie sollen ein Fernwartungs-Programm installieren, für eine angebliche Reparatur bezahlen oder sich währenddessen in Ihr Online-Banking einloggen.
- So werden Sie das Fenster los: Schließen Sie den Browser mit Alt+F4 (Windows; bei manchen Notebooks zusätzlich mit der Fn-Taste) bzw. ⌘+Q (Mac). Fragt der Browser „Website verlassen?“, wählen Sie „Verlassen“. Klappt das nicht, halten Sie zuerst die Esc-Taste einige Sekunden gedrückt, um den Vollbildmodus zu beenden. Hilft auch das nicht, beenden Sie den Browser über den Task-Manager (Strg+Umschalt+Esc → Browser auswählen → „Task beenden“) bzw. am Mac mit ⌘+⌥+Esc → „Sofort beenden“ – oder ziehen Sie die Notbremse. Wenn Sie den Browser danach wieder öffnen, lehnen Sie das Angebot ab, die vorherigen Seiten wiederherzustellen.
Niemals Fernwartungs-Programme auf Anweisung installieren
Mit einem Fernwartungs-Programm kann eine andere Person Ihren Bildschirm sehen und Ihren Computer oder Ihr Smartphone steuern, als säße sie selbst davor. Betrüger nutzen das, um in Ihrem Namen Überweisungen durchzuführen, Daten zu stehlen oder Schadprogramme zu installieren – oft, während sie Ihnen einen schwarzen Bildschirm oder eine angebliche „Wartung“ zeigen. Häufig missbrauchte Programme sind zum Beispiel:- TeamViewer (auch „QuickSupport“)
- AnyDesk
- RustDesk
- UltraViewer
- Supremo
- ScreenConnect
- LogMeIn
- Splashtop
- Chrome Remote Desktop
- Windows-„Remotehilfe“ bzw. „Schnellhilfe“
Vorsicht: der Anruf nach dem Phishing
Eine besonders hinterhältige Masche: Sie haben Ihre Daten auf einer Phishing-Seite eingegeben – und kurz darauf ruft ein angeblicher Mitarbeiter Ihrer Bank oder Ihres Zahlungsdienstleisters an. Er kennt Ihren Namen und Ihre Kontodaten und klingt sehr hilfsbereit: „Wir haben einen Betrugsversuch auf Ihrem Konto bemerkt. Wir sichern das jetzt gemeinsam ab. Bitte bestätigen Sie dazu die Freigabe in Ihrer App.“ Der Anrufer ist der Betrüger selbst. Ihre Daten hat er gerade von der Phishing-Seite – jetzt fehlt ihm nur noch Ihre Freigabe oder Ihr Code, um Ihr Konto leerzuräumen.Die angezeigte Telefonnummer kann gefälscht sein
Betrüger können jede beliebige Nummer im Display erscheinen lassen – auch die echte Nummer Ihrer Bank oder sogar einen Polizei-Notruf wie 133 oder 110. Auch Stimmen lassen sich mit künstlicher Intelligenz täuschend echt nachahmen. Vertrauen Sie deshalb nie allein der Anzeige oder einer bekannt klingenden Stimme.So verhalten Sie sich am Telefon richtig
- Legen Sie auf, sobald jemand nach Codes, Passwörtern oder Ihren Wiederherstellungswörtern fragt, Sie zu einer Überweisung drängt oder Zugriff auf Ihr Gerät möchte. Das ist nicht unhöflich, sondern klug.
- Rufen Sie anschließend selbst an – über die Nummer auf der Rückseite Ihrer Karte, in Ihren Vertragsunterlagen oder eine Nummer, die Sie selbst gesucht haben. Verwenden Sie nie die Rückruftaste und nie eine Nummer, die Ihnen der Anrufer genannt hat.
- Bestätigen Sie in Ihrer Banking- oder Bezahl-App niemals eine Freigabe, die Sie nicht selbst ausgelöst haben – auch nicht, wenn Sie am Telefon darum gebeten werden.
- Vereinbaren Sie mit Ihrer Familie ein Codewort für Notfälle. Wer es nicht kennt, ist nicht Ihr Angehöriger.
Bestätigungscodes: niemals an andere weitergeben
Bestätigungscodes sind die Zahlen- oder Buchstabencodes, die Sie per SMS, per E-Mail oder in einer App bekommen, um eine Anmeldung, eine Zahlung oder eine Änderung zu bestätigen. Dazu zählen auch Freigaben, die Sie in einer App mit einem Fingertipp bestätigen. Fachleute sprechen von „Zwei-Faktor-Codes“, „TAN“ oder „Einmal-Passwörtern“.Ganz wichtig
Geben Sie Bestätigungscodes keinesfalls an Dritte weiter – weder am Telefon noch per E-Mail, SMS oder Messenger, und tippen Sie sie auch nicht auf einer Webseite ein, auf die Sie über einen Link gekommen sind. Niemand Seriöses fragt danach: keine Bank, kein Zahlungsdienstleister, kein Kundendienst, keine Behörde und auch nicht die Polizei.- Lesen Sie die Nachricht mit dem Code genau. Oft steht darin, wofür er gilt, etwa „Freigabe einer Überweisung über 2.480 €“ oder „Anmeldung auf einem neuen Gerät“ – während der Anrufer behauptet, damit etwas zu stoppen oder abzusichern.
- Auch Codes von WhatsApp, Signal oder Telegram gehören dazu. Wer sie bekommt, übernimmt Ihr Konto und schreibt Ihren Kontakten in Ihrem Namen. Vorsicht bei Nachrichten wie „Ich habe dir aus Versehen einen Code geschickt, kannst du ihn mir weiterleiten?“ – auch wenn sie von einem bekannten Kontakt kommen.
- Code bekommen, ohne selbst etwas getan zu haben? Dann versucht vermutlich gerade jemand, sich in Ihr Konto einzuloggen. Geben Sie den Code nicht weiter und ändern Sie Ihr Passwort.
Ihre Wiederherstellungswörter: der Generalschlüssel zu Ihrem Vermögen
Wer Kryptowerte selbst verwahrt, nutzt dafür eine digitale Geldbörse (Fachbegriff „Wallet“) – als App oder als eigenes kleines Gerät. Beim Einrichten erhalten Sie eine Liste aus meist 12 oder 24 Wörtern, die sogenannten Wiederherstellungswörter (auch „Seed-Phrase“ genannt). Sie sind kein normales Passwort, sondern der Generalschlüssel zu dieser Geldbörse. Mit ihnen lässt sich Ihr gesamter Zugang auf jedem beliebigen Gerät der Welt wiederherstellen. Liegen Ihre Kryptowerte dagegen bei einer Handelsplattform (einer sogenannten Kryptobörse), melden Sie sich dort meist mit Passwort und Bestätigungscode an. Dann gelten die Regeln zu Passwörtern und Bestätigungscodes auf dieser Seite.Wer Ihre Wiederherstellungswörter kennt, besitzt Ihr Vermögen
- Er braucht weder Ihr Handy noch Ihr Passwort noch einen Bestätigungscode.
- Er kann Ihr gesamtes Guthaben innerhalb von Minuten abziehen.
- Diese Überweisungen lassen sich nicht rückgängig machen. Es gibt keine Bank, die eine Zahlung zurückholt.
- Die Wörter lassen sich nicht „ändern“ wie ein Passwort. Einmal verraten, ist die Geldbörse dauerhaft unsicher.
- Falsche Support-Mitarbeiter, die Sie auf Telegram, WhatsApp, Instagram oder X anschreiben, nachdem Sie öffentlich eine Frage gestellt haben.
- Gefälschte Webseiten, auf denen Sie Ihre Geldbörse „synchronisieren“, „überprüfen“ oder „freischalten“ sollen.
- Gefälschte Apps in den App Stores, die genauso aussehen wie das Original.
- Angebliche Gewinne oder Gratis-Verteilungen von Kryptowerten („Airdrops“), für deren Auszahlung Sie die Wörter eingeben sollen.
- Manipulierte Krypto-Geräte (sogenannte Hardware-Wallets), denen bereits eine Karte mit fertigen Wörtern beiliegt. Ein echtes Gerät erzeugt Ihre Wörter immer selbst.
So bewahren Sie Ihre Wiederherstellungswörter sicher auf
- Schreiben Sie die Wörter auf Papier (oder prägen Sie sie in Metall) und bewahren Sie sie an einem sicheren Ort auf, zum Beispiel in einem Safe.
- Machen Sie kein Foto und kein Bildschirmfoto. Speichern Sie die Wörter nicht in Notiz-Apps, E-Mails, Online-Speichern oder Chats.
- Geben Sie die Wörter nur dann ein, wenn Sie selbst eine Geldbörse wiederherstellen – und nur in der offiziellen App oder auf Ihrem eigenen Gerät, nie auf einer Webseite.
- Zeigen Sie die Wörter niemandem, auch nicht „nur kurz“ per Videoanruf.
So schützen Sie sich – die wichtigsten Verhaltenstipps
- Nicht klicken, sondern selbst suchen: Klicken Sie nur auf Links, die Sie gerade erwarten, weil Sie selbst etwas ausgelöst haben. Bei allen anderen E-Mails und SMS suchen Sie die Webseite selbst über Google oder eine andere Suchmaschine oder öffnen die offizielle App. Prüfen Sie auch in den Suchergebnissen die Hauptadresse, denn bezahlte Anzeigen können ebenfalls gefälscht sein.
- Keine Kontaktdaten von Verdächtigen verwenden: Wenn Sie mit jemandem in Kontakt waren, der ein Betrüger sein könnte, verwenden Sie niemals Telefonnummern, Internetadressen oder E-Mail-Adressen, die er Ihnen genannt hat – egal ob per E-Mail, SMS, Messenger oder am Telefon. Suchen Sie diese Kontaktdaten immer selbst heraus.
- Im Zweifel selbst nachfragen: Rufen Sie Ihre Bank oder Ihren Zahlungsdienstleister über eine selbst gesuchte Nummer an. Ein seriöses Unternehmen hat dafür immer Verständnis.
- Bestätigungscodes sind nur für Sie: Sie bestätigen Ihre eigenen Aktionen. Wer Sie bittet, einen Code vorzulesen oder weiterzuleiten, will etwas in Ihrem Namen tun.
- Keine Fernwartung für Unbekannte: Installieren Sie keine Fernwartungs-Programme und teilen Sie Ihren Bildschirm nicht, wenn jemand Sie unaufgefordert darum bittet.
- Anmeldung mit Bestätigungscode einschalten (Fachbegriff „Zwei-Faktor-Anmeldung“) – überall dort, wo es möglich ist.
- Für jeden Dienst ein eigenes Passwort verwenden. Ein Passwort-Manager hilft dabei.
- Geräte und Apps aktuell halten und Apps nur aus den offiziellen App Stores installieren.
- Kontobewegungen regelmäßig prüfen, damit Ihnen ungewöhnliche Abbuchungen schnell auffallen.
- Sich Zeit nehmen: Je mehr Druck jemand macht, desto wahrscheinlicher ist es Betrug. Echte Probleme lassen sich auch morgen noch lösen.
- Darüber reden: Wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt, sprechen Sie mit einer Vertrauensperson, bevor Sie handeln. Betrüger verlangen oft Geheimhaltung – gerade das ist ein Warnsignal.
So kontaktiert Ihre Bank Sie – und so nicht
Ihre Bank wird Sie niemals …
- nach Ihrem Passwort, Ihrer PIN oder Bestätigungscodes fragen,
- bitten, eine Zahlung oder Freigabe zu bestätigen, die Sie nicht selbst ausgelöst haben,
- auffordern, Geld auf ein „Sicherheitskonto“ zu überweisen,
- bitten, ein Fernwartungs-Programm zu installieren oder den Bildschirm zu teilen,
- per E-Mail oder SMS auffordern, sich über einen Link anzumelden oder Daten einzugeben.
So erreichen Sie Ihre Bank sicher
- über die Telefonnummer auf der Rückseite Ihrer Bankkarte,
- über die Kontaktdaten in Ihrer offiziellen Banking-App oder in Ihren Vertragsunterlagen,
- über die Webseite, die Sie selbst eingetippt oder gesucht haben,
- persönlich in Ihrer Filiale.
Notbremse: Wenn Sie merken, dass gerade etwas schiefläuft
Manchmal fällt der Groschen erst mittendrin: Der angebliche Bankmitarbeiter wird immer drängender, der Mauszeiger bewegt sich plötzlich von selbst, oder Sie sollen „nur noch schnell“ einen Code nennen. Dann gilt: Sofort abbrechen. Erklärungen und Höflichkeit sind jetzt nicht nötig.Was tun, wenn Sie hereingefallen sind?
Das kann jedem passieren – Betrüger sind Profis. Wichtig ist jetzt, schnell zu handeln:- Bank bzw. Zahlungsdienstleister sofort anrufen – über eine Nummer, die Sie selbst herausgesucht haben – und Konto, Karten oder Zugang sperren lassen.
- Haben Sie Ihre Wiederherstellungswörter verraten? Erstellen Sie sofort eine neue digitale Geldbörse mit neuer Wort-Phrase und übertragen Sie Ihr verbliebenes Guthaben dorthin. Die alte Geldbörse ist dauerhaft unsicher.
- Passwörter ändern – möglichst von einem anderen, nicht betroffenen Gerät aus. Ändern Sie das Passwort beim betroffenen Dienst und überall, wo Sie dasselbe Passwort verwendet haben, und schalten Sie die Anmeldung mit Bestätigungscode ein.
- Betroffene Geräte prüfen lassen: Hatte jemand Zugriff auf Ihren Computer oder Ihr Smartphone oder haben Sie auf Anweisung etwas installiert, nutzen Sie das Gerät nicht weiter für Online-Banking und lassen Sie es von einer Fachperson untersuchen.
- Beweise sichern: Bildschirmfotos, E-Mails, SMS, Telefonnummern, Uhrzeiten und Kontoauszüge aufbewahren.
- Anzeige bei der Polizei erstatten.
- Den Vorfall forensisch untersuchen lassen, um zu klären, was genau passiert ist und welche Daten und Geräte betroffen sind. Wie wir Ihnen dabei helfen können, lesen Sie weiter unten.
Opfer eines Betrugs geworden? Wir helfen mit forensischen Untersuchungen
Wenn Sie glauben, Opfer von Phishing, Social Engineering oder einem anderen Betrug geworden zu sein, unterstützen wir Sie mit einer forensischen Untersuchung. Dabei klären wir zum Beispiel:- ob auf Ihrem Computer oder Smartphone Schadprogramme, Spionage-Software oder unerlaubte Fernzugriffe aktiv sind oder waren,
- was genau passiert ist und welche Daten oder Konten betroffen sein könnten,
- wohin Zahlungen oder Kryptowerte geflossen sind,
- wie sich die Spuren nachvollziehbar dokumentieren lassen – etwa für Polizei, Bank, Versicherung oder Ihren Anwalt.
Akuter Fall?
Melden Sie sich so rasch wie möglich
Je früher wir die betroffenen Geräte untersuchen können, desto mehr Spuren lassen sich sichern. Setzen Sie Geräte bis dahin bitte nicht selbst zurück und installieren Sie nichts neu.